HBW schlägt den BHC am Ende verdient

Schoch entscheidet wildes Handball-Spiel

Der HBW Balingen-Weilstetten rehabilitiert sich für die Niederlage am vergangenen Spieltag und schlägt den Bergischen HC in einem bis zum Schluss spannenden Handball-Spiel mit 29:27 (14:13). Nach zuletzt zwei Unentschieden in Folge vor eigenem Publikum feiern die Gallier wieder einen doppelten Punktgewinn, der ihren Vorsprung auf die Abstiegsränge auf sieben Zähler anwachsen lässt.

Gallier-Coach Jens Bürkle musste mit Oddur Grétarsson, Vladan Lipovina und Benjamin Meschke auf gleich drei Akteure verletzungsbedingt verzichten. Dazu ging Lukas Saueressig angeschlagen in die Partie.

Das Spiel nahm gleich zu Beginn an Fahrt auf, auf vorsichtiges Abtasten wurde auf beiden Seiten verzichtet. Beide Angriffsreihen fackelten nicht lange und suchten schnell den Abschluss. Dabei war das Visier der Gäste aus dem Bergischen Land zunächst besser eingestellt. Präzise nutze der BHC seine Chancen und stellte den HBW-Angriff schnell vor Probleme. Die Folge war ein Sahne-Start aus Sicht der Bergischen, die nach knapp sechs Minuten mit 1:5 in Führung gingen. HBW-Trainer Bürkle sah sich früh gezwungen, die erste Auszeit zu nehmen.

„Wir haben in der Auszeit darüber gesprochen, dass wir konsequenter sein müssen. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir jetzt auf den Gegner zu marschieren müssen. Und wenn sie aus ihrer Deckung nicht rauskommen, dann schießen wir aufs Tor“, erläuterte der HBW-Coach nach der Partie auf der Pressekonferenz.

Gesagt, getan. Der HBW kam hervorragend aus der Auszeit, agierte nun wie vom Trainer gefordert mit mehr Konsequenz und schaffte es, sich zu stabilisieren. Der Rückstand verkürzte sich mit jeder Minute, auch weil HBW-Torhüter Mike Jensen nun einige Bälle zu fassen bekam. Folgerichtig konnte der HBW die Partie mit der Zeit drehen, ging durch den Treffer von Jona Schoch in der 18. Minute erstmals in diesem Spiel in Führung. Nun war es Gäste-Trainer Sebastian Hinze, der die grüne Timeout-Karte auf den Zeitnehmertisch legte.

Und erneut kippte das Momentum in die andere Richtung. Nun waren es wieder die Bergischen Löwen, die aufdrehten und mit zwei Toren in Folge das Spiel wieder drehten. Zu allem Überfluss kassierte der HBW dann auch noch zwei Zeitstrafen binnen weniger Sekunden. Die fast zweiminütige doppelte Überzahl nutzten die Gäste für einen 4:0-Lauf und zogen wieder auf 8:11 davon (22.).

Und die Antwort der Hausherren? Die folgte wenig später durch Kapitän Martin Strobel höchstpersönlich, der per schnellem Doppelschlag wieder verkürzte. Entscheidend kam hinzu, dass HBW-Torhüter Jensen nun seine stärkste Phase hatte und ein ums andere Mal das Gegentor verhindern konnte. Das wiederum eröffnete den Balingern Chancen zum schnellen Konter. Gleich zweimal hieß Tim Nothdurft der Nutznießer, der bei den Gegenstößen nervenstark blieb und dem ehemaligen HBW-Keeper Tomáš Mrkva im Gehäuse der Gäste keine Chance ließ. Highlight dieser ersten Halbzeit war jedoch die letzte Aktion der ersten Hälfte: Der BHC erhielt nach Ablaufen der Uhr und beim Stand von 14:13 für den HBW noch einen Siebenmeter. Den allerdings parierte Jensen erneut und sicherte seinem Team damit die knappe Pausenführung.

Die zweite Halbzeit begann ebenso rasant wie die erste, wobei dieses Mal die Schwaben den besseren Start erwischten. Der BHC verlor in dieser Phase der Partie etwas den Faden, auch weil der HBW nun in der Abwehr aggressiv agierte und kompakt verteidigte. Selbst in Unterzahl waren die Gallier nicht zu stoppen. Angeführt von einem bärenstarken Jensen im Tor, der seine Quote zwischenzeitlich auf über 40% hochschraubte, konnte die Bürkle-Sieben auch in Unterzahl zu Toren kommen und zog in der 40. Minute nach einem 4:0-Lauf auf 22:16 davon – Auszeit BHC.

Diese Unterbrechung war nicht gleich von Erfolg für die Gäste gekrönt, das Spiel flachte nun für einige Minuten etwas ab. Doch dieser Zustand sollte nicht lange anhalten: Nun war es plötzlich wieder der Bergische HC, der Tor um Tor aufholte und mit einem 5:1-Lauf wieder herankam. In der 48. Minute waren die Gäste wieder auf 21:23 herangekommen. Die Partie blieb weiter spannend.

Doch die Gallier hatten nun die passenden Antworten parat. Ob gefühlvoll per Heber von Marcel Niemeyer oder mit brachialer Gewalt, wie Abwehrchef Romas Kirveliavicius beim Gegenstoß, der HBW konnte nun einen hauchdünnen 2-Tore-Vorsprung verteidigen. Auch Nervenstärke bewiesen die Hausherren nun, Gregor Thomann stellte mit seinem Siebenmeter-Treffer auf 28:26 in der 58. Minute. Und doch blieb es zu jedem Zeitpunkt der Partie spannend.

Die letzte Auszeit brachte den BHC noch einmal auf ein Tor heran. Den Schlusspunkt setzte dann allerdings Rückraum-Shooter Jona Schoch für den HBW: Sekunden vor dem Ende und mit dem drohenden Zeitspiel im Nacken, nahm sich der Rückraum-Linke den letzten Wurf und zimmerte das Spielgerät unhaltbar in den Winkel zum entscheidenden 29:27-Endstand. Ein würdiger Schlusspunkt für ein wildes Handball-Spiel, in dem sich beide Teams nichts schenkten. Der HBW verlor damit nur eins der letzten sieben Spiele in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga und festig Rang 11 in der Tabelle.


HBW Balingen-Weilstetten: Vladimir Božić, Mike Jensen (TW); René Zobel 4, Marcel Niemeyer 4, Romas Kirveliavičius 1, Filip Taleski, Jannik Hausmann, Gregor Thomann 3/3, Tim Nothdurft 4, Martin Strobel 6, Juan de la Peña, Jona Schoch 6, Lukas Saueressig, Lars Röller 1, Moritz Strosack;

Bergischer HC: Christopher Rudeck, Tomáš Mrkva (TW; Linus Arnesson 6, Ragnar Johannsson 4, Tomas Babak 3, Jeffrey Boomhouwer 3, Kristian Nippes 3, Csaba Szücs 2, Arnor Thor Gunnarsson 2, Max Darj 2, Sebastian Damm 2, Rafael Baena Gonzalez, Yannick Fraatz, Lukas Stutzke, Alexander Weck

Zeitstrafen
HBW 5 – BHC 3

Strafwürfe
HBW 4/3 – BHC 1/0

Nächstes Spiel
SG Flensburg-Handewitt – HBW Balingen-Weilstetten, Donnerstag, 12. Dezember, 19 Uhr, Flens-Arena in Flensburg

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