Spielbericht des HBW-Pressedienstes

Nichts für schwache Nerven: Gallier drehen Sechs-Tore-Rückstand im Euregium

Das Spiel im altehrwürdigen Euregium in Nordhorn war nichts für schwache Nerven. Die HSG Nordhorn-Lingen erwartete den HBW mit einigen taktischen Überraschungen, und die Gallier taten sich zunächst schwer damit. Bis weit in die zweite Hälfte lagen die Hausherren meist in Führung, mussten sich am Ende aber dem HBW Balingen-Weilstetten mit 33:37 (19:16) geschlagen geben. Die Schwaben bleiben mit dem hart erkämpften Auswärtserfolg zum fünften Mal in Folge siegreich und dem Tabellenführer Bietigheim, der zeitgleich bei den Eulen Ludwigshafen erfolgreich war, ganz dicht auf den Fersen. 

„Wir freuen uns natürlich über den Sieg, aber Nordhorn hätte die zwei Punkte auch verdient“, zollte HBW-Geschäftsführer Axel Kromer den Hausherren nach dem Schlusspfiff großes Lob. „Die HSG hat uns über weite Strecken des Spiels Aufgaben gestellt, die von uns gar nicht oder nur schwer zu lösen waren“, meinte Kromer und war froh, dass die Gallier diese im Kollektiv dann doch gelöst haben.

Nordhorns 3:3-Abwehr behagt dem HBW zunächst nicht

Nach den letzten vier Spieltagen war klar, dass die Norddeutschen gegen den Tabellenzweiten alles in die Waagschale werfen würden, um den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht zu verlieren. Mit einer sehr offensiven 3:3-Abwehr überraschten die Hausherren den HBW. Der Balinger Rückraum wurde zeitweise bis in die eigene Hälfte zurückgedrängt, und im Angriff nahm die HSG ihren Torhüter zugunsten eines weiteren Feldspielers von der Platte. So dauerte es tatsächlich bis zur dritten Spielminute, bis der erneut starke Elias Huber den ersten Treffer für die Gallier markieren konnte. Im Gegenzug kassierte Mannschaftskapitän Tobias Heinzelmann die erste Zeitstrafe der Partie, und Nordhorn legte weiter vor.

Die Mannschaft von Trainer Matti Flohr musste für jedes Tor richtig ackern. Gegen die weiterhin aggressive Abwehr bekamen sie nichts geschenkt. Da sich Nordhorn zudem sehr schnell vom Angriff in die Abwehr zurückzog, waren einfache Tore für die Gallier Mangelware. Trotzdem hatte der Tabellenzweite nach dem 10:10-Ausgleich und einem technischen Fehler der Hausherren in der 20. Minute die Chance, zum ersten Mal in Führung zu gehen. Torhüter Kristian van der Merwe konnte dies aber mit einer Doppelparade – erst gegen Mex Raguse und dann gegen Sascha Pfattheicher – erfolgreich verhindern. Nordhorn legte erneut vor und konnte seinen Vorsprung in Überzahl sogar auf drei Treffer ausbauen.

Der Gamechanger: Matti Flohr justiert in der Auszeit nach

Mit 19:16 ging es in die Halbzeitpause. Zum Wiederbeginn des zweiten Durchgangs schienen die Hausherren die Entscheidung zu suchen. Während die Gallier etwas mit ihrem Wurfglück haderten, war bei Nordhorn fast jeder Wurf ein Treffer. Beim Stand von 23:17 für die HSG musste HBW-Coach Flohr in der 38. Spielminute bereits eine frühe Auszeit nehmen. „Wir müssen etwas anderes machen“, war die klare Ansage gleich zu Beginn. Mit drei Rechtshändern im Rückraum und dem Torhüterwechsel von Benedek Nagy auf Daniel Rebmann schickte er seine Jungs zudem mit neuen taktischen Vorgaben zurück auf die Platte.

Die Ansagen von Flohr kombiniert mit den taktischen Wechseln waren wieder einmal der Gamechanger. Die Schwaben holten Tor um Tor auf, und beim Stand von 24:22 durch Kapitän Heinzelmann nach einem überragenden Assist von Spielmacher Elias Huber sah sich Nordhorns Trainer Mark Bult seinerseits zu einer Auszeit gezwungen. Auch er versuchte, mit weiteren taktischen Feinheiten den Lauf der Balinger zu stoppen – allerdings mit weitaus weniger Erfolg als zuvor Matti Flohr. 

Die Wende: Routine und starke Paraden bringen Balingen zurück

Mit Beginn der letzten Viertelstunde versuchte die HSG, die Schlagzahl weiter zu erhöhen. Die Fans von den Rängen taten mit ihrer Anfeuerung ein Übriges dazu. Die ohnehin schon hitzige Partie wurde noch intensiver, aber jetzt zahlte sich die Routine der Gallier aus. Torhüter Daniel Rebmann begann, an seine Leistung vom Heimspiel gegen Coburg anzuknüpfen, und Linkshänder Csaba Leimeter, der aufgrund des kurzfristigen, krankheitsbedingten Ausfalls von Merlin Fuß im rechten Rückraum „Alleinunterhalter“ war, tankte sich ein ums andere Mal durch die Nordhorner Abwehr. Seinem Anschlusstreffer zum 27:26 ließ Elias Fügel den 27:27-Ausgleich folgen, und nach einer weiteren Rebmann-Parade verwandelte Top-Torschütze Pfattheicher einen Strafwurf zur ersten Balinger Führung.

Pfattheicher und Rebmann schrauben den Deckel drauf

Mit 28:27 für die Gallier ging es hinein in die letzten zehn Spielminuten. Immer wieder standen jetzt Torhüter Rebmann und im Angriff Elias Huber im Mittelpunkt des Geschehens. Die Hausherren konnten zwar nochmals mit einem Treffer in Führung gehen, aber in der Crunchtime hatten die Balinger einfach mehr Pfeile im Köcher. Auch eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Kapitän Heinzelmann brachte den HBW nicht mehr aus dem Konzept. In Unterzahl traf Huber erneut zur Balinger Führung, und nach einer Sensationsparade von Rebmann traf Pfattheicher vorne zum 34:32.

Der Balinger Top-Scorer war es dann auch, der nach einem gehaltenen Strafwurf von Rebmann mit dem Treffer zum 35:32 den Deckel auf die Partie schraubte. Die restlichen Treffer bis zum Endstand waren nur noch für die Statistik, wobei die 33:37-Niederlage für die HSG am Ende deutlicher ausfiel, als es der Spielverlauf über weite Strecken vermuten ließ.

Die Mannschaften

HSG Nordhorn: Kristian van der Merwe, Luca Tschentscher (TW); Frieder Bandlow 5/2, Christian Wilhelm 4, Oscar Gentzel, Kyan van Berlo, Maximilian Lux 5, Tarek Marschall 11, Ian Hüter, Elias Ruddat 3, Jaris Tobeler, Josip Rajkovic, Luka Sokolic, Elmar Erlingson 5, Max Potgeter, Lasse Lingers;

HBW Balingen-Weilstetten: Daniel Rebmann, Benedek Nagy (TW); Tim Ruggiero-Matthes 1, Mex Raguse 5, Elias Huber 5, Magnus Grupe, Bennet Strobel 2, Tim Grüner, Till Wente, Elias Fügel 2, Tobias Heinzelmann 4, Sascha Pfattheicher 10/6, Yonatan Dayan 1, Csaba Leimeter 6, Georg Pöhle 1, Stefan Bauer;

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