Vorentscheidung fällt kurz vor der Halbzeit

HBW kann Flensburg nur zeitweise ärgern

Der HBW Balingen-Weilstetten hat beim amtierenden Deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt mit 25:32 (13:18) verloren. Dabei spiegelt das Ergebnis vor allem die erste Halbzeit in der Flens-Arena nicht wirklich wider, in der die Gallier dem Favoriten 25 Minuten lang absolut ebenbürtig waren. Ein 5:0-Lauf kurz vor der Pause brachte die Flensburger dann aber vorzeitig auf die Siegerstraße, die im zweiten Durchgang ihre individuelle Klasse ausspielten und durch den achten Heimsieg im achten Heimspiel der Saison wieder die Tabellenspitze in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga übernahmen.

Personell musste HBW-Trainer Jens Bürkle auf seinen spanischen Spielmacher Juan de la Peña nach dessen Kreuzbandverletzung verzichten. Auch Kreisläufer Benjamin Meschke konnte nach seinen Knieproblemen noch nicht wieder mitwirken. Dafür kehrten die zuletzt fehlenden Oddur Grétarsson und Vladan Lipovina zurück in den Kader.

Die Balinger kamen gut in die Partie, agierten in den Anfangsminuten mutig und versteckten sich nicht vor dem großen Favoriten. Auch Torhüter Mike Jensen begann stark und konnte sich früh mit einigen Paraden auszeichnen. Der amtierenden Deutsche Meister aus Flensburg tat sich hingegen schwer und musste sich nach sechs gespielten Minuten mit einem 2:5-Rückstand anfreunden. Erst nach etwas mehr als zehn Minuten fingen sich die Hausherren allmählich, ein parierter Siebenmeter von SG-Keeper Benjamin Buric sorgte für einen ersten Stimmungsaufschwung in der Flens-Arena. Trotzdem dauerte es bis zur 17. Minute, ehe Flensburg erstmals in dieser Partie in Führung gehen konnte – 9:8.

Diese erste Führung gab den Nordlichtern etwas mehr Sicherheit, zudem wurde Torhüter Buric nun von Minute zu Minute besser. Die Gallier hielten aber weiter dagegen. Auch wenn nicht mehr jeder Angriff von Erfolg gekrönt war, so konnte der HBW doch mithalten und die Norddeutschen weiter ärgern. SG-Trainer Maik Machulla nahm deshalb in der 22. Minute die erste Auszeit der Partie. Zunächst blieb dieses Timeout jedoch ohne Wirkung, der HBW war nach zwischenzeitlichem Zwei-Tore-Rückstand in der 25. Minute beim 13:13-Ausgleich durch Gregor Thomann wieder zurück im Spiel.

Doch leider aus Sicht der Gäste musste die Bürkle-Sieben dann etwas abreißen lassen, nahm sich Würfe in den letzten Minuten vor der Halbzeit zu unbedacht und überhastet. Diese Schwächephase nutzten die Flensburger mit ihrer individuellen Klasse in meisterhafter Manier aus. Mit einem schnellen 5:0-Lauf konnten die Hausherren bis zum Pausenpfiff einen komfortablen, wenn auch schmeichelhaften und dem Spielverlauf nicht gerecht werdenden Vorsprung herausspielen. Bitter für den HBW, der sehr lange auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten agierte.

Balingen ließ sich nach Wiederanpfiff trotz des Rückstandes zunächst nicht unterkriegen, versuchte weiter mutig dagegen zu halten, leistete sich aber wie schon zum Ende des ersten Spielabschnittes zu viele Fehler. Flensburg hatte der Zwischenspurt vor der Pause sichtlich gutgetan, die Hausherren bestraften nun jeden Fehler der Gäste konsequent. Bis zur 42. Minute konnte die SG den Vorsprung auf 26:18 ausbauen, setzte nun vor allem seine starken Außenspieler immer besser ein – Auszeit HBW.

Der Titelverteidiger hatte das Spiel aber auch nach der Auszeit im Griff, spielte seine Angriffe ruhig und konzentriert zu Ende und wurde seiner Favoritenrolle nun gerecht. Trotzdem dauerte es bis zur 53. Minute, ehe Flensburg beim 31:21 erstmals eine Zehn-Tore-Führung erzielen und das Spiel somit endgültig entscheiden konnte. In der Schlussphase nahmen die Hausherren dann das Tempo heraus, um ihre Kräfte zu schonen und gaben dem HBW so die Möglichkeit, noch einmal etwas Ergebniskosmetik zu betreiben.

Letzten Endes stand nach 60 Minuten eine 25:32-Niederlage für die Gäste auf der Anzeigetafel. In der Summe verdient, aber auch etwas ärgerlich angesichts der starken ersten 25 Minuten, wie auch HBW-Kapitän Martin Strobel nach dem Spiel am SKY-Mikrofon konstatierte: „Wir haben sehr gut angefangen und mitgehalten und dann ist es so, dass wir vorne zu viele Bälle liegen lassen und Flensburg das dann unglaublich stark bestraft. Wichtig ist, dass wir die positiven Dinge herausziehen und mitnehmen. Ich glaube, dass auch die letzte Phase des Spiels nochmal gut für uns war, dass wir da wieder ins Tempospiel reingekommen sind, um den Abstand nochmal zu verkürzen.“

Der HBW hat nun eine Woche frei, ehe es erneut auf die weite Reise in den hohen Norden geht. Dann müssen die Gallier von Chef-Coach Jens Bürkle im Nachholspiel des 7. Spieltages beim Rekordmeister THW Kiel antreten. Drei Tage später genießen die Schwaben dann aber wieder Heimrecht, wenn sie am 22. Dezember vor ausverkauftem Haus die TSV Hannover-Burgdorf zum Rückrundenauftakt empfangen.


SG Flensburg-Handewitt: Benjamin Buric, Torbjörn Bergerud (TW); Jim Gottfridsson 6/4, Lasse Svan 5, Magnus Jöndal 5, Johannes Golla 4, Magnus Röd 4, Holger Glandorf 3, Göran Sögard Johannessen 2, Simon Jepsson 2, Anders Zachariassen 1, Jacob Heinl, Michal Jurecki, Marvin Lier, Nils Versteijnen, Marius Steinhauser

HBW Balingen-Weilstetten: Mike Jensen, Vladimir Božić (TW); René Zobel 3, Marcel Niemeyer 3, Vladan Lipovina 2, Romas Kirveliavičius 1, Filip Taleski 2, Jannik Hausmann, Gregor Thomann 7/3, Tim Nothdurft, Oddur Grétarsson 3, Martin Strobel 3, Jona Schoch, Lukas Saueressig 1, Lars Röller, Moritz Strosack


Strafwürfe

FLE 4/5 – HBW 3/5

Zeitstrafen
FLE 1 – HBW 3

Nächstes Spiel
THW Kiel – HBW Balingen-Weilstetten, Donnerstag, 19. Dezember, 19 Uhr, Sparkassen-Arena in Kiel

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