Vorbericht aus dem Zollernalbkurier
18.11.2011
Die bislang weiße Heimweste des HBW Balingen-Weilstetten 2 läuft Gefahr, die ersten Flecken zu kriegen. Zu Gast ist am Sonntag der Spitzenreiter der dritten Liga, die SG Leutershausen.
Souverän sind die „Roten Teufel von der Bergstraße“ im vergangenen Jahr Meister geworden und nur knapp in der Aufstiegsrelegation gescheitert. In dieser Saison steigt der Staffelsieger auf den jeden Fall in die zweite Bundesliga auf – nichts anderes haben Trainer Holger Löhr und seine Truppe im Sinn. Dass die Hirschberger ihr Ziel erreichen werden, dürfte kaum jemand ernsthaft bezweifeln.
Erst recht nicht HBW-Coach Eckard Nothdurft, für den die Leutershausener von Anfang an der Top-Favorit waren: „Die haben in der vergangenen Saison 14 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten gehabt und jetzt ihren Kader sogar noch verstärkt.“ Neu hinzu gekommen sind die beiden Junioren-Weltmeister Jochen Geppert und Niklas Ruß. Geppert, der zuvor beim Nord-Zweitligisten Wilhelmshavener HV die Fäden zog und auch bei der SG Leutershausen als Spielmacher fungiert, hat bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Griechenland als Kapitän das deutsche Team zum Titel geführt. Weil er nicht nur ein Spiel lenken kann, sondern auch sehr defensivstark ist, hatte er von Bundestrainer Martin Heuberger oft längere Einsatzzeiten als der HBW-Youngster Felix König bekommen. Ob Ruß am Sonntag um 17 Uhr in der SparkassenArena dabei sein wird, hängt davon ab, ob ihm die Rhein-Neckar-Löwen dies gestatten. Der Linksaußen ist nämlich nur mit einem Zweitspielrecht für die SGL ausgestattet.
Aber auch ohne ihn kann Löhr eine Truppe auf die Beine stellen, die in der dritten Liga Süd ihresgleichen sucht. Es sei müßig, sich über einzelne Spieler zu unterhalten, „die sind auf jeder Position doppelt gleichwertig besetzt.“
Deshalb hat es auch überrascht, dass der Meisterschaftsfavorit etwas mühsam in die Saison gestolpert ist. Beim Aufsteiger Stuttgarter Kickers gab es nur ein Remis, beim zweiten Auswärtsspiel gaben die Hirschberger sogar beide Punkte ab. Die 32:33-Pleite beim Neuling TSV Neuhausen/Filder war bislang allerdings die einzige Niederlage. Andererseits kann von Souveränität wie im Vorjahr nicht die Rede sein. Ihre letzten drei Spiele haben die Leutershausener jeweils mit nur einem Tor für sich entschieden. Genau das zeichne aber die Mannschaft aus, sagt Nothdurft, der die SGL mit dem FC Bayern München vergleicht: Gegen einen solchen Top-Favoriten sei jedes Team besonders motiviert, „jeder versucht ihnen etwas wegzunehmen, Leutershausen kann eigentlich nur verlieren.“
Dass die Roten Teufel unter dieser Situation leiden, ließ Kreisläufer Hannes Volk am vergangenen Samstag nach dem knappen 26:25-Heimerfolg über die SG Köndringen/Teningen durchblicken: „Gesteigerten Wert auf eine weitere Zitterpartie legen wir nicht. Irgendwann wollen wir auch mal wieder höher gewinnen.“
Selbstverständlich hat Nothdurft etwas dagegen. Nur wie er den Gästen beikommen soll, ist ihm ein Rätsel. „Liegt das in unserem Repertoire?“, fragt er sich. Zum einen wäre neben Paul Bar und Philipp Keinath weitere Unterstützung aus dem Bundesligakader nötig, zum anderen „müssten wir auf jeden Fall fehlerfrei spielen“. Besser nämlich, als am vergangenen Samstag beim Tabellenzweiten TSB Horkheim, „wo wir uns selbst aus dem Spiel geschossen haben“, liegt ihm die achtbare 28:31-Niederlage noch im Magen.
Ober er Schützenhilfe von Dr. Rolf Brack erhält ist mehr als ungewiss, sicher ist hingegen, dass er auf die Nachwuchsspieler Jan Remmlinger und Jannik Hausmann verzichten muss. Beide spielen am Sonntag mit der A-Jugend-Bundesligatruppe beim TSV Wolfschlugen. Außer den beiden Verletzten, Philipp Eberhardt und Micha Thiemann, seien aber alle anderen zwölf Feldspieler fit, betont der A-Lizenzinhaber. Und diese würden alles versuchen, dem Spitzenreiter ein Bein zu stellen und die bisher makellose Heimbilanz zu konservieren: „Dafür müssen wir an unsere Bestleistung herankommen und noch hoffen, dass der Gegner etwas verwachst hat.“