Spielbericht des HBW-Pressedienstes

31.01.2010

HBW 2 stellt Nerven auf Zerreißprobe - Ausgleich in letzter Sekunde

Matthias Stocker sorgte in letzter Sekunde für den Ausgleich

„Es wird Zeit für zwei Punkte!“ Diesen Satz vom Deizisauer Torjäger vom Dienst,  Benjamin Fritz, nach dem Remis am vergangenen Spieltag gegen den ESV Lok Pirna,  schienen sich die Balinger Gäste am Samstagabend zu Herzen genommen zu haben. Sie präsentierten sich in der Balinger SparkassenArena keineswegs wie eine Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft, sondern waren vielmehr der Mannschaft von Trainer Ecki Nothdurft ein ebenbürtiger, in weiten Strecken sogar überlegener Gegner – genauso wie es der Balinger Coach vorher gesagt hat und ihm dafür von vielen Understatement unterstellt wurde.

Verworfene Strafwürfe, Ballverluste und technische Fehler

Der Zeiger der Spieluhr hatte sich noch nicht einmal ganz gedreht, da hatten die „Jungen Wilden“ aus Balingen bereits den ersten Angriff versemmelt und zusätzlich noch einen Strafwurf vergeben. Die Gäste nutzten ihre Chance und gingen mit einem Treffer von Frieder Gänzle in Führung. Keiner der Zuschauer hatte zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet, dass der Tabellenvorletzte diese Führung bis in die letzte Spielminute behaupten sollte. Die Ballverluste des Balinger Bundesliga-Nachwuchses setzten sich fort. Immer wieder konnte der glänzend aufgelegte Gäste-Torhüter parieren. Auch den zweiten und dritten Strafwurf der Hausherren entschärfte der Deizisauer Keeper. So war es für den TSV relativ einfach, sich über das 3:3 und 5:5 bis auf 8:6 ab zu setzen.

Mit einem 14:8-Rückstand in die Halbzeitpause

Nach fünfzehn Minuten musste erstmals Micha Thiemann für zwei Minuten auf die Bank und Benjamin Fritz ließ sich die Chance, per Strafwurf, einen weiteren Treffer für die Gäste zum 9:6 zu erzielen nicht nehmen. Mehr Kapital konnte der Tabellenvorletzte aus dieser Überzahl allerdings nicht schlagen. Fünf Minuten lang passierte auf beiden Seiten gar nichts mehr. Sowohl das Balinger Perspektivteam als auch der TSV Deizisau produzierten Ballverluste, Fehlwürfe und technische Fehler am Fließband. Erst René Wismar konnte die Torpause mit dem 7:9 für den HBW 2 beenden. Allerdings ließ sich Deizisau davon nicht aus dem Konzept bringen. Benjamin Fritz, der mit insgesamt elf Treffern der erfolgreichste Werfer der Partie wurde, erzielte das 11:8 für seine Mannschaft und bis zur Halbzeitpause konnte der TSV seinen Vorsprung sogar bis 14:8 ausbauen.

Paul Bar und Matthias Stocker mit "Hallo-Wach-Aktionen"

Wer geglaubt hat, dass die Hausherren in der zweiten Halbzeit zur Aufholjagd blasen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Der TSV Deizisau wollte unbedingt die zwei Punkte und kämpfte um jeden Ball. Die Abwehr mit einem überragenden Torhüter dahinter stellte die Hausherren immer wieder vor unlösbare Probleme. Selbst sogenannte Hundertprozentige beim Tempogegenstoß wurden von den Nothdurft-Buben ausgelassen. Die Jungs des Balinger Coachs verloren mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel und lagen bald mit 19:11 im Rückstand. Nur Torhüter Paul Bar, der im zweiten Durchgang für Sven Grathwohl im Balinger Kasten stand, war es zu verdanken, dass der HBW nicht längst zweistellig zurück lag. Seine Paraden, seine Körpersprache und seine Moral übertrugen sich mehr und mehr auf seine Mitspieler. Der immer noch angeschlagene Regisseur Matthias Stocker nahm die Partie in die Hand und schaffte es mehr und mehr für Verwirrung in der Gästeabwehr zu sorgen.

Beim 22:24 war der HBW plötzlich wieder im Spiel

Auch der Rest der Balinger Mannschaft erwachte wieder aus ihrer Lethargie und warf ihren Kampgeist in die Waagschale. Die Gäste aus Deizisau wurden von Minute zu Minute nervöser und mussten immer wieder in Unterzahl agieren, weil sie ihren Einsatz in der Abwehr, angesichts der davon schwimmenden Felle, überzogen. Die Hausherren nutzten ihre Überzahl und begannen in den letzten zehn Minuten einen Acht-Tore-Vorsprung des TSV Deizisau zu verkürzen. Beim Stande von 22:24 war die Partie plötzlich wieder völlig offen und der Tabellenführer war zurück in der Partie. HBW-Coach Nothdurft zog alle taktischen Pfeile aus seinem Köcher die er noch hatte, kein Risiko in der Abwehr war ihm zu hoch und seine Mannschaft, die ihre ureigensten Stärken, die Moral und ihren Kampfgeist wieder gefunden hatte, setzte um, was ihnen der Coach von der Außenlinie aus vorgab. Allerdings wurden die Nerven der rund 600 Zuschauer in der Balinger SparkassenArena auf eine harte Probe gestellt, denn die Chancen im Angriff wurden immer noch nicht konsequent genug genutzt und so konnten die Gäste erneut auf 27:23 davon ziehen.

Stocker krönt seine Leistung mit dem Ausgleichstreffer

Zwei Minuten vor Spielende sah alles nach einem sicheren Sieg der Gäste aus. Kaum einer rechnete noch damit, dass die Nothdurft-Sieben sich nochmals aufbäumen könnte. Zu sicher schienen die Gäste die Partie im Griff zu haben. In einer Auszeit, neunzig  Sekunden vor Spielende, gab Nothdurft seiner Mannschaft nochmals letzte taktische Anweisungen. Er wusste, wenn es seiner Mannschaft gelingt, nochmals den einen oder anderen Treffer nach zu legen, wird Deizisau nervös und seine Rechnung ging auf. Die Gästeabwehr wollte den Vorsprung mit allen Mitteln verteidigen und prompt musste wieder einer auf die Strafbank. Als der ehemalige HBW-Akteur Oliver Beiser ein Abspiel auf den Balinger Linksaußen nur noch per absichtlichem Fußspiel verhindern konnte, musste auch er auf die Strafbank und im 6/4-Überzahlspiel schafften die Jungs von Trainer Nothdurft zwei Sekunden vor Schluss den vielumjubelten und kaum noch für mögliche gehaltenen 27:27-Ausgleich. Dass diesen ausgerechnet Spielmacher Stocker erzielte, mag zwar Zufall gewesen sein, aber den anschließenden, umreißenden Jubel seiner Mitspieler hatte sich der Balinger Wirbelwind nicht nur deswegen verdient. Ohne die von ihm gesetzten Zeichen im Verlaufe der zweiten Halbzeit, wäre am Ende mit ziemlicher Sicherheit eine Niederlage gestanden.

Beide Trainer einig: Deizisau war die bessere Mannschaft

Unfassbar und fast schon bedauernswert stand die Deizisauer Mannschaft nach dem Schlusspfiff auf dem Parkett und auch Balingens Trainer Nothdurft fand kaum Worte. Nicht ein einziges Mal lag seine Mannschaft in Führung und trotzdem konnte sie wieder einen Punkt im Kampf um die Qualifikation zur Dritten Liga auf dem Habenkonto verbuchen. Im abschließenden Trainergespräch fand Steffen Rost vom TSV Deizisau, kaum Worte. 55 Minuten lang lieferte seine Mannschaft ein klasse Spiel. Die Manndeckung in der zweiten Halbzeit brachte sie jedoch aus dem Konzept. Auch Nothdurft brachte klar zum Ausdruck, dass die Gäste aus Deizisau die deutliche bessere Mannschaft gewesen war. Die eigene Erwartungshaltung und der Druck den sich seine Spieler selber auferlegt hatten, seien ihnen in dieser Partie zum Verhängnis geworden. Man könne von Glück reden, dass überhaupt noch ein Punkt gerettet werden konnte, erklärte Nothdurft weiter.

Aufstellung und Torschützen:

Sven Grathwohl, Paul Bar (TW); Klaus Schuldt (4), Fabian Pick, René Wismar (3), Simon Flockerzie (3), Philipp Keinath (4), Steffen Zank (1), Christoph Foth, Matthias Stocker (6/3), Felix König, Micha Thiemann (1), Christian Wahl, Fabian Schlaich (2)

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